Camping in der Wildnis - Auge in Auge mit Wildtieren, © Kadir Avşar
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Camping in der Wildnis - Auge in Auge mit Wildtieren

Beim Campen in der Natur begegnet ihr den unterschiedlichsten Wildtieren. Nicht alle eignen sich für einen süßen Insta-Post – im Gegenteil.

20.02.2024 Vincent Springer, Laura Marie Voss

Kategorie: Grün – harmlos aber dennoch Wildtier:

Camping heißt Zeit in der Natur zu verbringen – und diese auch mit all seinen Sinnen zu genießen! Im Hintergrund hört ihr sogar das leichte Zirpen der Grillen.

An einem gemütlichen Abend vor dem Wohnmobil oder Zelt steht aber doch plötzlich ein Fuchs in unmittelbarer Nähe. Was nun? Entwarnung, hier könnt ihr euch erstmal entspannen und eure Würstchen weiter grillen, denn der Fuchs hält von Natur aus Abstand zum Menschen. Zudem sind die Tiere nicht aggressiv, nur die Jungtiere können etwas aufdringlich werden.

Genauso wie auf den Fuchs, könnt ihr europaweit auch auf Rehe treffen. Ein Traum von allen Disney-Fans - Bambi begegnen! Gute Nachrichten: Sie sind nicht gefährlich! Trotzdem solltet ihr den Lebensraum der Tiere respektieren und ihnen Angst machen. Von einem Streichelversuch ist also abzuraten.

„Ah, da ist eine Schlange!“ Keine Panik, denn es handelt sich in den meisten Fällen um eine Blindschleiche, die vor allem in Zentraleuropa vorkommt. Für den Menschen ist eine Blindschleiche ungefährlich. Übrigens: Für alle anderen Lebewesen, wie Hunde oder Katzen gilt das Gleiche. Grundsätzlich müsst ihr natürlich vor Abfahrt ins Ausland checken, ob dort noch mehr durch die Gegend schlängelt, als nur Blindschleichen

Ein Marder unter der Motorhaube ist sehr ärgerlich und oft nervig. Meistens bedeutet es auch, dass ein Werkstattbesuch auf dem Programm steht…

Aber keine Sorge: Wenn ihr auf einen Marder in der Natur trefft, dann nur durch Zufall. Die europaweit verbreiteten Tiere sind sehr scheu und wollen eine Begegnung mit dem Menschen unbedingt vermeiden. Insofern kommt es auch nicht zu einem Angriff.

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Kategorie: Gelb - Nehmt euch in Acht!

Gefährlicher sind hingegen Wildschweine. Zwar haben die Tiere Angst vor dem Menschen und halten lieber etwas Abstand, dennoch können sie aggressiv werden. Dieses Verhalten ist vor allem im Winter und Frühjahr zu beobachten, zu dieser Zeit sind Wildschweine auf Partnersuche. Schaut euch die Tiere also lieber aus der Ferne an.

Wenn ein Wildschwein seinen Schwanz aufstellt, laut durch die Nase schnaubt, den Kopf hin und her wirft und mit den Zähnen klappert, dann ist besondere Vorsicht geboten, denn das Tier macht sich für einen Angriff bereit. Sollte dies der Fall sein, so hilft es, sich groß zu machen und in die Hände zu klatschen. Verzieht sich das Wildschwein dann nicht, zieht euch langsam zurück und klettert auf einen Baum oder Hochsitz. Wichtig: keine hektischen Bewegungen! Wildschweine werden sehr schnell, Weglaufen ist also sinnlos. Eine unangenehme Begegnung mit den grunzenden Riesen ist in Zentraleuropa, Nordspanien und Norditalien möglich.

Auf Campingplätzen oder Parkplätzen im Alpengebiet - also höher gelegen Gebieten als die Nordseeküste - tummeln sich andere Tiere als in Talgebieten. So zum Beispiel der Steinbock. Das grundsätzlich friedliche Tier kann gefährlich werden, wenn sie überrascht werden oder Jungtiere in der Nähe sind. Ihr solltet daher Abstand halten, um einen möglichen Angriff vorzubeugen. Sollte der Steinbock seinen Kopf senken und in Angriffsstellung gehen, dann bewegt man sich am besten zurück. Langsam und ohne direkten Augenkontakt.

Man könnte denken ein Selfie mit einem süßen Waschbären ist eine mega Urlaubserinnerung. Nein! Ihr solltet den Tieren in keinem Fall zu nah kommen. Zwar sind Waschbären nicht aggressiv, sie können sich trotzdem provoziert oder angegriffen fühlen, sodass sie den Menschen beißen. Hier ist besondere Vorsicht geboten, denn mit dem Biss werden Viren übertragen, die gefährlich werden können.

Kategorie: Rot - Tja, was jetzt?

Horrorvorstellung für Viele: Die Begegnung mit einem Wolf. Mit dem richtigen Wissen jedoch, könnt ihr auch hier ohne Gefahr der Situation entkommen. Wölfe sind Raubtiere, die ständig auf Nahrungssuche sind. Dennoch zieht sich der Wolf in der Regel zurück, wenn ihr selbst auch ruhig bleibt.

Diese Tipps helfen dabei: Zeigt dem Tier, dass ihr die Kontrolle über die Situation habt. So könnt ihr zum Beispiel klatschen, laut reden oder rufen. Es wird von Experten empfohlen sich langsam zurückzuziehen und Blickkontakt mit dem Raubtier zu halten. Auf keinen Fall ruckartig weglaufen, denn das kann einen Verfolgungsdrang auslösen. Die Gefahr einem Wolf zu begegnen, ist in Mitteleuropa sowie in Skandinavien und dem Baltikum relativ groß.

Viele Greifvögel stellen vor allem für unsere geliebten Vierbeiner eine Bedrohung dar. So kann es vorkommen, dass kleinere Hunde, wie Dackel, aus der Luft geschnappt werden. Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden! Behaltet eure Liebsten in unmittelbarer Nähe und auf jeden Fall an der Leine! Versucht außerdem nicht zu nah an tiefhängenden Ästen vorbei zu gehen, denn dort lauern oft Bussarde. Sollte ein Greifvogel dann doch in die Nähe des Hundes kommen, so nehmt den Hund am besten auf den Arm oder macht ausladende Armbewegungen um die Greifvögel zu verschrecken.

Wenn ihr selber in Gefahr seid, dann ist der höchste Punkt, also euer Kopf betroffen. Es hilft, die Hände schützend über den Kopf zu strecken. Unnötige Provokationen solltet ihr vermeiden, um gar nicht erst in diese Situation zu kommen.

Auf einen Bären trifft man in den Wäldern von Skandinavien, dem Baltikum oder auch dem Balkan. Für einen solchen Fall müsst ihr bärenstarke Nerven haben! Insgesamt sollte der Naturfreund ruhig bleiben und nicht wegrennen. Nähert euch dem Bären unter keinen Umständen! Ihr müsst eine Ausweichmöglichkeit für das Tier lassen, um keine zusätzliche Angst zu schüren. Bei einem Angriff müsst ihr euch zur Kugel formen und auf den Boden hocken, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Wenn euch ein Elch entgegenkommt, dann signalisiert das die Angriffsbereitschaft des Tieres. Mütter und Kälber sind dabei besonders aggressiv. Auf keinen Fall dürft ihr sie füttern, da sie aggressiv werden können, wenn eure Snacks dann leer sind. Wenn ihr ohnehin außer Gefahr seid, dann kramt nicht noch eure Kamera raus, sondern macht euch lieber aus dem Staub... Bei einem Angriff solltet ihr euch gleich wie bei einem Bärenangriff verhalten. Für gewöhnlich halten sich die Tiere in Skandinavien und dem Baltikum, aber auch in Polen auf.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ihr euch bei der Begegnung mit einem Raubtier ruhig verhalten solltet. Das ist meist schon die halbe Miete. Dazu müsst ihr natürlich den Lebensraum der Tiere schützen und respektieren.

Es geht aber auch andersherum: 

Wenn ihr mit eurem Camper über zum Beispiel eine Landstraße fahrt und ein Reh am Straßenrand seht, dann hupt und schaltet, falls nötig, euer Fernlicht aus.

So verscheucht ihr die Tiere und beugt einen möglichen Wildunfall vor. Aber Achtung: Wo ein Reh unterwegs ist, da sind meistens noch mehr. Bleibt also wachsam und geht den Tieren zur Liebe etwas vom Gas.

Sollte es in einer anderen Situation doch zu einem Wildunfall kommen, fasst ihr die verletzten Tiere nicht an, da sie sich wohlmöglich bedroht fühlen und euch angreifen könnten. Zudem muss die Polizei verständigt werden, da ansonsten rechtliche Konsequenzen drohen. Im Ausland gilt dasselbe.

Es ist generell wichtig beim Campen mit der Natur zu leben und nicht gegen sie. Solang ihr respektvoll und aufmerksam seid, so sind es die Tiere meist auch!